Bibellese-Projekt, Mittwoch, 30. August 2017

Bibeltext (Luther): Epheserbrief Kapitel 2,11-18

11 Darum denkt daran, dass ihr, die ihr einst nach dem Fleisch Heiden wart und »Unbeschnittenheit« genannt wurdet von denen, die genannt sind »Beschneidung«, die am Fleisch mit der Hand geschieht, 12 dass ihr zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und den Bundesschlüssen der Verheißung fremd; daher hattet ihr keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. 13 Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst fern wart, nahe geworden durch das Blut Christi. 14 Denn er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht hat und hat den Zaun abgebrochen, der dazwischen war, indem er durch sein Fleisch die Feindschaft wegnahm. 15 Er hat das Gesetz, das in Gebote gefasst war, abgetan, damit er in sich selber aus den zweien einen neuen Menschen schaffe und Frieden mache 16 und die beiden versöhne mit Gott in einem Leib durch das Kreuz, indem er die Feindschaft tötete durch sich selbst. 17 Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren. 18 Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater. 

Erklärungen zum Text (Ralf Mühe, Bibellesebund)

Spätestens ab Kapitel 2,11 erschliesst sich, wen Paulus meint, wenn er die Wendung auch ihr gebraucht: Er spricht damit diejenigen an, die sich aus dem Heidentum Christus zugewendet haben. Ihnen stellt er durch das auch wir die jüdischen Nachfolger von Jesus gegenüber, zu denen er selbst gehört. Der Unterschied zwischen beiden bleibt oftmals auf eine pure Äusserlichkeit beschränkt. Jüdische Männer sind beschnitten und die anderen eben nicht (11). Die inhaltlichen Gegensätze hingegen sind weitaus tiefgreifender. In Vers 12 nennt Paulus fünf von Gott gegebene Vorrechte, die bis dahin ausschliesslich gläubige Juden gegolten haben. 
Jetzt aber kündet etwas grundlegend Neues an. Niemand bleibt mehr aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit vom Zugang zu Gott ausgeschlossen (13). 
Das Gesetz abgetan (15) heisst, dass es zwar immer noch Ausdruck von Gottes Willen bleibt, aber es hat seine Stellung als richtende Instanz verloren. Jesus Christus hat dessen Schuldspruch durch seinen stellvertretenden Tod auf sich genommen (14). Zu Gottes Volk zählen nun alle Menschen, die darauf vertrauen, dass Jesus sie durch sein Opfer mit Gott versöhnt hat (16).

Fragen zum Nachdenken

1. Wo im Epheserbrief hat Paulus bereits Nachfolger von Jesus aus heidnischem Umfeld angesprochen (1,13; 2,1-2), um sie von denen mit jüdischer Herkunft zu unterscheiden (1,11;2,3.5)?

2. Welche von Gott geschenkten Vorrechte galten zunächst nur dem Volk der Juden und nicht auch den Menschen aus den heidnischen Nationen? 

3. Wo wird in den Heilien Schriften des Alten Testaments für die jüdischen Hörer des Briefes erkennbar, dass das Neue des Evangeliums bereits angekündigt worden war (17; vgl. Jesaja 42,1.6; 57,19)?

Übertragung ins Leben

Gottes Geschichte mit seinem Volk Israel und den Nationen erinnert mich an ein Erlebnis aus meiner Kindheit. Wir suchten nach Steinen, die wir wie Schätze aufbewahrten, wenn sie besondere Strukturen oder Formen aufwiesen. Als mein Freund einen unscheinbaren dunklen Brocken ziemlich achtlos wegwarf, entdeckte ich, dass der Stein beim Aufschlag Funken schlug. Ich las ihn auf. Er wurde zu meinem Feuerstein, der Freund jedoch zu meinem leidenschaftlichen Neider. Schliesslich hatte er den Silizid ja gefunden. Wir einigten uns nach einigen Auseinandersetzungen darüber, dass der Schatz uns beiden gehören solle. Fortan liessen wir miteinander ausgesöhnt andere aus der Nachbarschaft über unseren Fund staunen. 

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