Bibellese-Projekt, Montag, 21. August 2017

Bibeltext (Luther): Epheserbrief Kapitel 1,1-2

1 Paulus, ein Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, an die Heiligen in Ephesus, die Gläubigen in Christus Jesus: 2 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! 

Erklärungen zum Text (Ralf Mühe, Bibellesebund)

In der Antike platzierte man beim Beschreiben von Schriftrollen wichtige Informationen vorab. Dazu gehörten in der Regel der Absender und Empfänger sowie Grüsse (vgl. Apostelgeschichte 23,25-26). Das Schriftstück musste dafür nicht völlig entrollt werden. Mit dem Hinweis seiner Berufung zum Apostel (einen bevollmächtigten Gesandten) durch Gott verweist Paulus auf die autoritative Verbindlichkeit des Briefes. 

Durch die für uns eher ungewohnte Reihenfolge Christus Jesus betont Paulus, dass er der Gesandte des Messias* Jesus ist. Für die Leser heidnischer Herkunft gebraucht er die griechische Entsprechung. Christen sind Heilige, weil sie Jesus vetrauen und deshalb zu Gott gehören. Mit dieser Anrede weist Paulus nicht auf den moralischen Zustand, sondern auf die herausragende Stellung hin. Ihre Grundlage ist Gottes Gnade. Und ihr Ziel: ein alles umfassender Frieden. Glauben heisst, in der Gemeinschaft mit dem Erlöser Christus Jesus zu leben. Durch sie bleibt Gott uns nicht länger fremd, sondern wird erkennbar als unser Vater.

*Messias ist die jüdische Bezeichnung für den griechischen Begriff "Christus".

Fragen zum Nachdenken

1. Siehst du dich als "Heiliger" im Sinne Paulus? Gemeint ist damit nicht ein besserer Mensch, sondern ein "zu Gott Gehöriger". Was genau macht dich dazu? Was sorgt dafür, dass du es bleibst und wie kannst du dieser Heiligkeit verlieren oder wiedererlangen? 

2. Überlege dir als Vorbereitung für die nächsten Wochen (wir werden dazu noch einiges lesen): Was zeichnet Gott als deinen Vater aus? Wie kannst du ihn Verbindung zu ihm kommen? Wodurch kannst du ihm dein Vetrauen zum Ausdruck bringen?

Übertragung ins Leben

Für mich (Anmerkung: Gemeint ist der Autor des Textes, Ralf Mühe) mit meiner römisch-katholischen Herkunft hatte die Anrede "an die Heiligen" etwas Herausforderndes. Der Begriff war bereits belegt. Nein, Paulus spricht nicht vom Ergebnis eines kirchenrechtlichen Verfahrens zur Heiligsprechung. Er vermittelt vielmehr Gottes Sichtweise. Durch das Vertrauen zu Jesus leben wir nicht mehr getrennt von ihm. Für alles, was uns an Sünde noch anhaftet, hat sein Sohn den Preis bezahlt. Statt "Heilige" könnten wir auch sagen: "Menschen, die zu Gott gehören". Dabei mag einem schon der Atem stocken, denn diese neue Art des Lebens hat schon etwas Überwältigendes. Solches Empfinden erschliesst uns die Bedeutung von Gnade als ein geradezu unfassbares Geschenk.

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