Bibellese-Projekt, Montag, 11. September 2017

Bibeltext (Luther): Epheserbrief Kapitel 5,15-20

15 So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise,16 und kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse. 17 Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. 18 Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. 19 Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen 20 und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. 

Erklärungen zum Text (Ralf Mühe, Bibellesebund)

Paulus warnt davor, blindlings in den Tag hinein zu leben. Vielmehr sollten wir unsere Entscheidungen bewusst treffen (15). Die Zeit auszukaufen bedeutet nicht, den bereits bestehenden Stress durch noch grössere Effizienz zu erhöhen. Es geht darum, passende Gelegenheiten (den Zeitpunkt; griech. kairos) zu erkennen und zu nutzen. So bleiben wir für Jesus verfügbar (16). 
Täglich gibt es Herausforderungen, bei denen wir neu entscheiden müssen, was in diesem Fall Gottes Wille ist. Unverständig werden wir, wenn wir uns in Ansichten pauschal festgelegt haben und uns jeglicher Korrektur verweigern (17). Paulus warnt nicht vor dem Wein, sondern vor dem Übermass. Diese allzu menschliche Neigung stellt die eigentliche Gefahr dar. Im Rausch tut man leicht Dinge, die eines Christen nicht würdig sind. Es steht im krassen Gegensatz zu dem, wie sich die machtvolle Gegenwart von Gottes Geist in uns auswirkt (18). 
Mit geistlichen Liedern und einer Haltung der Dankbarkeit können wir ermutigen. Der Dank für wirklich alles stellt ein geistliches Reifezeugnis dar, das Anfechtungen zu ertragen gelernt hat (20). 

Fragen zum Nachdenken

1. Was hat Sorgfalt (griech. akribos; davon abgeleitet: akribisch) mit weiser Lebensführung zu tun (15)? Lies dazu Psalm 1,1 und Sprüche 14,8. 

2. Warum stellt Paulus wohl dem "spiritus vinus" (Geist des Weines) den "spiritus sanctus" (den Heiligen Geist) gegenüber (18)? Lies auch Lukas 21,14.

3. Formuliere für die Anweisungen in Vers 19 und 20 eine einprägsame Aufforderung. 

Übertragung ins Leben

Wie können wir Gott allezeit und für alles dankbar sein? Die Antwort ist einfach: Wir sind dazu von uns aus nicht in der Lage. Dankbarkeit ist das Resultat einer geistlichen Einsicht, die wir in den Anforderungen des Alltags erwerben. Es ist durchaus nicht ungeistlich, wenn wir auf ein erschütterndes Ereignis zunächst mit Enttäuschung, Aufbegehren und Zorn reagieren. Bis wir die Realität angenommen haben, sind wir vielleicht nur fähig, Gott Dank zu opfern (Psalm 50,23). Oder wir nehmen uns vor, dass wir Gott noch danken werden (Psalm 42,6). Erst wenn wir auch die schwierige Lebensphase als Teil des guten Planes Gottes für uns zu akzeptieren beginnen, werden wir auch ehrlich danken können. Meist benötigen wir eine gewisse Zeit, ehe wir dazu in der Lage sind. Wachstum ist eben ein Prozess. Am Ende steht dann ein Dank, der aufrichtig ist und keine fromme Leistung darstellt. 

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