Bibellese-Projekt, Freitag, 8. September 2017

Bibeltext (Luther): Epheserbrief Kapitel 5,1-14

1 So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder 2 und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. 3 Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört, 4 auch nicht von schändlichem Tun und von närrischem oder losem Reden, was sich nicht ziemt, sondern vielmehr von Danksagung. 5 Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. 6 Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7 Darum seid nicht ihre Mitgenossen. 8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; 9 die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. 10 Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, 11 und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. 12 Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. 13 Das alles aber wird offenbar, wenn's vom Licht aufgedeckt wird; 14 denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. 

Erklärungen zum Text (Ralf Mühe, Bibellesebund)

Jesus Christus hat seine Liebe zu Gott durch Gehorsam erkennbar werden lassen. Deshalb verweist Paulus auf ihn als vollkommenes Vorbild. Die Frage ist also, an wem wir uns orientieren: an Jesus (1-2) oder an Menschen, die sich selbst zum Massstab nehmen (6). 
Alles, was wir an Sünde tolerieren, prägt unsere Gewohnheiten und wird zum Lebensstil. Paulus nennt die Unzucht (griech. porneia) oder den falschen Umgang mit Geld oder auch albernes und leichtfertiges Geschwätz (3-4). Paulus warnt davor, Gottes Zorn auf die leichte Schulter zu nehmen, denn das gilt allen: Menschen, die Gott nicht gehorchen wollen, werden in Gottes neuer Welt nicht dabei sein (5-6). Durch unser Leben sollte klar werden, dass bei Sünde die Gemeinsamkeit aufhört (7). 
Die Entscheidung, im Licht Gottes zu leben, bleibt zwar eine tägliche Herausforderung, aber sie verändert auch unseren Charakter zum Guten (8-9). Danach zu fragen, was Gott gefällt, kann uns als "Goldene Regel" gelten (10). Wenn wir Sünde klar beim Namen nennen, geben wir Menschen die Chance, ihr Leben in Gottes Licht zu sehen und zu ihm umzukehren (11-14). 
Das Zitat in Vers 14 weist im griechischen Grundtext einen sprachlichen Gleichklang auf. Es handelt sich dabei vermutlich um einen in den Gemeinden bekannten Hymnus. 

Fragen zum Nachdenken

1. Worin können wir Gott nachahmen – und warum sollten wir es tun (1-2)?

2. Wie bewertet der Apostel Paulus die sexuelle Unmoral gegenüber der Habgier (5)? Womit wird die Habgier gleichgesetzt?

3. Inwiefern sind wir für unser Leben selbst verantwortlich? Vergleiche dazu die Aussagen von Vers 6 und Vers 10!

Übertragung ins Leben

Eine konfessionelle Zuordnung auf amtlichen Dokumenten hat keine Aussagekraft, wenn Glaube nicht auch gelebt wird. Es geht überhaupt nicht darum, dass wir irgendeinen Grad der Vollkommenheit erreichen. Vielmehr muss unsere innere Ausrichtung stimmen. Ohne Zweifel werden wir bei der Aufzählung der einzelnen Sünden unangenehm an eigenes Versagen erinnert. Es macht aber einen Unterschied, ob es sich dabei um "Ausrutscher" handelt, oder ob es Ausdruck einer sündigen Gewohnheit darstellt. Die Anweisungen, sich von allem, was Sünde ist, zu distanzieren, schafft uns nicht notwendigerweise Freunde, aber mit Sicherheit Respekt. Nur durch klare Worte – auch im Hinblick auf die eigene Schuld – und eine von biblischen Normen geprägte ethische Haltung werden wir in der Lage sein, Gottes Herrschaft glaubhaft zu bezeugen. 

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