Bibellese-Projekt, Dienstag, 12. September 2017

Bibeltext (Luther): Epheserbrief Kapitel 5,21-33

21 Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi. 22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. 23 Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist – er hat sie als seinen Leib gerettet. 24 Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen. 25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben, 26 um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, 27 damit er für sich die Gemeinde herrlich bereite, die keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei. 28 So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst. 29 Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst; sondern er nährt und pflegt es wie auch Christus die Gemeinde. 30 Denn wir sind Glieder seines Leibes. 31 »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein« (1. Mose 2,24). 32 Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde. 33 Darum auch ihr: ein jeder liebe seine Frau wie sich selbst; die Frau aber habe Ehrfurcht vor dem Mann. 

Erklärungen zum Text (Ralf Mühe, Bibellesebund)

Paulus setzt das Verhältnis zwischen Christus und der Gemeinde in Beziehung zur Einheit von Ehemann und Ehefrau. Das Vorbild der Gemeinde beruht darauf, dass sie sich Christus als ihrem Haupt aus freien Stücken unterordnet (24). Er wiederum hat sich für sie aufgeopfert und dafür gesorgt, dass sie sich ihrer Bestimmung gemäss entfaltet (25-27). 
Unterordnung hat etwas mit der Bereitschaft zu tun, die jeweils zugewiesene Stellung einzunehmen. Das gilt für den Menschen gegenüber Gott und für die Partner innerhalb der Ehe (22-23). Am Beispiel der Gemeinde wird klar, dass mit Unterordnung weder ein Zwang noch eine Herabstufung verbunden ist (24). Der Mann wird seiner übergeordneten Stellung nur gerecht, wenn sie wie bei Christus mit selbstloser Hingabe und Liebe verbunden ist (25-27). Der Mann wird dann letzten Endes selbst der Beschenkte sein (28-29). Ebenso wie Christen als Ganzes die Gemeinde abbilden, stellt die Verbindung zwischen Mann und Frau eine neue Einheit dar (30-32). Der Abschnitt, der mit dem Hinweis auf die Ehrfurcht vor Chirstus begann (21), endet mit dem Hinweis, dass die Frau ihren Mann ehren soll (33). In beiden Sätzen wird im griechischen Grundtext das gleiche Wort gebraucht. 

Fragen zum Nachdenken

1. Inwiefern hat Unterordnung etwas mit Ehrerbietung oder Ehrfurcht zu tun (21)?

2. An welchen Stellen leitet Paulus Grundsätze von der Gemeinde für die Beziehung in der Ehe ab? Beachte das Vergleichswort "wie" (23-25.29). 

3. Warum kann die Tiefe der Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde von Menschen, die daran keinen Anteil haben, nicht nachempfunden werden (32)?

Übertragung ins Leben

Es liegt in der Natur des Menschen, biblische Aussagen als Belegstellen für egozentrische Herrschaftsansprüche anzuführen. Der Widerwillen gegen die Anweisungen für die Ehe hat oft in dem als Bibeltreue etikettierten Zerrbild ihre Wurzel. Da hat die Frau sich gefälligst zu fügen, zu schweigen und zu dienen. Es gibt aber auch eine grundsätzliche Rebellion gegen göttliche Strukturen. Häufig wird übersehen, dass der Mann kein Recht hat, Unterordnung als christliche Tugend einzuklagen. Das Beispiel von Jesus Christus ist mit seiner Hingabe verknüpft. Dieses biblische Ideal des Mannseins überwindet die in vielen Kulturen und in sogenannten bibeltreuen Traditionen verankerte Demütigung der Frau durch das Leitbild von Jesus Christus.

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