Bibellese-Projekt, Mittwoch, 6. September 2017

Bibeltext (Luther): Epheserbrief Kapitel 4,1-16

1 So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, 2 in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe 3 und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: 4 ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; 5 ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; 6 ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen. 7 Einem jeden aber von uns ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe Christi. 8 Darum heißt es (Psalm 68,19): »Er ist aufgefahren zur Höhe, hat Gefangene in die Gefangenschaft geführt und den Menschen Gaben gegeben.« 9 Dass er aber aufgefahren ist, was heißt das anderes, als dass er auch hinabgefahren ist in die Tiefen der Erde? 10 Der hinabgefahren ist, das ist derselbe, der aufgefahren ist über alle Himmel, damit er alles erfülle. 11 Und er selbst gab den Heiligen die einen als Apostel, andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, 12 damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, 13 bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Menschen, zum vollen Maß der Fülle Christi, 14 damit wir nicht mehr unmündig seien und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen durch das trügerische Würfeln der Menschen, mit dem sie uns arglistig verführen. 15 Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus. 16 Von ihm aus gestaltet der ganze Leib sein Wachstum, sodass er sich selbst aufbaut in der Liebe – der Leib, der zusammengefügt und gefestigt ist durch jede Verbindung, die mit der Kraft nährt, die jedem Glied zugemessen ist. 

Erklärungen zum Text (Ralf Mühe, Bibellesebund)

Die Rettung ist ein Geschenk – wir brauchen (und können) sie uns nicht verdienen. Ob wir sie zu schätzen wissen, zeigt die Art, wie wir leben (1). Lassen wir uns von Gottes Geist bestimmen? Entwickeln wir die Tugenden, die Paulus aufzählt (2)? Es liegt nicht allein an uns, wie es in der Gemeinde aussieht, aber wir können durch unser Verhalten zum Frieden und zur Einheit beitragen. Das geschieht dadurch, dass wir darauf achten, was eint (3-6). Es gibt Unterschiede in den Aufgabenstellungen, denn der Heilige Geist nimmt sie selbst vor (7). Das Zitat aus Psalm 68,19 wird auf den Tod von Jesus und auf seine Rückkehr in den Himmel gedeutet (8). Als Gemeinschaft von Christen sollen wir unseren Dienst als Zeugen für ihn wahrnehmen können; deshalb gibt es Personen mit von Gottes Geist verliehener Einsicht und solche, die gegenüber Aussenstehenden besonders sprachfähig sind. Ebenso Leitertypen und Menschen mit der Gabe zu lehren (11-12). Die Einheit in der Unterschiedlichkeit ist nicht immer einfach zu leben. Wir können sie nicht "machen". Umso wichtiger ist es, dass wir Wahrhaftigkeit anstreben. Bitte beachte, dass Paulus dabei von einem Wachstum spricht (15). Noch einmal betont er, dass die Gemeinde auf Ergänzung hin angelegt ist (16). 

Fragen zum Nachdenken

1. Was meint Paulus mit der minimalen Erwartung, einander zu ertragen (2)? Den gleichen (griechischen) Ausdruck finden wir übrigens in Matthäus 17,17 und Hebräer 13,22. 

2. Was bedeutet es, dass Jesus selbst das Mass seiner Gaben zuteilt (7)?

3. Welchem grossen Ziel dient die Unterschiedlichkeit der Aufgaben in einer Gemeinde (12)?

Übertragung ins Leben

Demut, Sanftmut, Geduld, und Liebe sind Eigenschaften die sich durch die Lebensgemeinschaften mit Jesus Christus ausbilen. Dabei ist es hilfreich, nicht ständig die Fehler er anderen zu registrieren, sondern den Blick darauf zu richten, was die Gemeinde fördert. Zu diesem Blickwechsel müssen wir uns bewusst entscheiden – oft entgegen unserer Gefühle. Es geht nicht um unsere Selbstverwirklichung, sondern darum, dass Jesus Christus durch die Gemeinde geehrt wird. Dabei wahrhaftig zu bleiben bedeutet für mich, meine eigene Unfähigkeit einzugestehen, sie dem Herrn zu bekennen, um mich von ihm beschenken zu lassen. Wir stehen stets in der Versuchung, die Liebe aus uns selbst hervorbringen zu wollen, um biblischen Vorgaben zu genügen. Diese Art hat oft etwas Zwanghaftes an sich und ist mit der Erwartung verbunden, dass sie bemerkt und ausreichend honoriert wird.

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