Bibellese-Projekt, Freitag, 1. September 2017

Bibeltext (Luther): Epheserbrief Kapitel 3,1-7

1 Deshalb sage ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch Heiden – 2 ihr habt ja gehört von dem Auftrag der Gnade Gottes, die mir für euch gegeben wurde: 3 Durch Offenbarung ist mir das Geheimnis kundgemacht worden, wie ich zuvor aufs Kürzeste geschrieben habe. 4 Daran könnt ihr, wenn ihr's lest, meine Einsicht in das Geheimnis Christi erkennen. 5 Dies war in früheren Zeiten den Menschenkindern nicht kundgemacht, wie es jetzt offenbart ist seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist; 6 nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium, 7 dessen Diener ich geworden bin durch die Gabe der Gnade Gottes, die mir nach seiner mächtigen Kraft gegeben wurde. 

Erklärungen zum Text (Ralf Mühe, Bibellesebund)

Paulus ist kein Gefangener weil ihn blinde Willkür getroffen hat. Er ist es, weil Jesus Christus durch ihn die Gute Nachricht zu den Nichtjuden bringt (1). Der Apostel unterbricht hier übrigens seinen Satz, um ihn in Vers 14 mit deshalb wieder aufzunehmen. Die Botschaft der vorausgegangenen beiden Kapitel beruht darauf, dass Gottes Geist sie Paulus enthüllt hat. Sie stellt demnach nicht das Ergebnis tiefsinniger Gedankengänge dar. Geistliche Einsicht ist ein von Gott geschenktes Erfassen seiner Absichten und seines Handelns (3). Im ersten Teil der Bibel wurde bereits angekündigt, dass Gott sich auch über die nichtjüdischen Völker erbarmen würde. Dabei blieb jedoch offen, auf welche Weise die Völker daran teilhaben sollten (4-6). Lies dazu Jesaja 42,6 udn 49,6. Doch nun ist es klar: Der Kristallisationspunkt für die unterschiedslose Annahme von Juden und Nichtjuden liegt in der vertrauensvollen Beziehung zu Christus (6). 
Beachte, wie Paulus die alles verändernde Wirksamkeit von Gottes Machtentfaltung an sich selbst beschreibt! Sie hat nichts mit der Demonstration der Macht über den Besiegten zu tun. Im Gegenteil, sie ist für ihn ganz und gar Geschenk und Zeichen von Gottes Zuwendung (7). Deshalb ist er gern ein Diener (griech. diakonos) des Evangeliums. 

Fragen zum Nachdenken

1. Wen erkennst du als Urheber hinter der vertieften Einsicht von Paulus (4-5)?

2. Wie lauten die Begriffe in Vers 4-5, die den Ausdrücken "Geheimnis", "in früheren Zeiten" und "nicht kundgemacht" gegenübergestellt werden?

3. Was entdeckst du über Gottes Persönlichkeit, wenn du sein Handeln an Paulus überdenkst (7)?

4. Inwieweit ergänzen sich die Erkenntnisebenen von Verstand und (Heiligem) Geist und woran müssen sie sich im Hinblick auf die Glaubwürdigkeit messen lassen?

Übertragung ins Leben

Gottes Geist verleiht in unterschiedlichem Mass Einsichten, die wir uns durch die Fähigkeiten des Verstandes nicht erarbeiten können. Diese Arte des Erkennens ist ein Erfassen, das über die Grenzen des Verstandes hinausreicht. Das wird am Leben von Paulus ziemlich gut deutlich. Er war ein jüdischer Theologe und ein scharfer Denker. Dennoch blieben ihm in der Zeit vor seiner Umkehr Gottes Pläne mit den Nichtjuden verschlossen. Erst durch die Wirkung von Gottes Geist erfasste er (und übrigens auch die anderen Apostel), wie Gott sich die Rettung von Menschen nichtjüdischer Herkunft gedacht hat. Gottes Geist teilt sich auch uns mit. Dabei nehmen wir sein Wirken als hilfreichen Gedanken wahr oder als eine feste Gewissheit oder auch, indem wir befähigt werden, Einsichten zu gewinnen. 

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