Bibellese-Projekt, Dienstag, 22. August 2017

Bibeltext (Luther): Epheserbrief Kapitel 1,3-6

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. 4 Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten; in seiner Liebe 5 hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, 6 zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten.

Erklärungen zum Text (Ralf Mühe, Bibellesebund)

Gelobt sei ... Dieser typisch jüdische Lobpreis bekommt hier eine neue Mitte. Sie heisst Jesus Christus. Dabei wird offenbar, in welchem Verhältnis Gott zu ihm steht und welche Stellung Jesus Christus für diejenigen hat, die ihm vertrauen (3). Segnungen im Alten Testament bezogen sich vorwiegend auf irdische Verhältnisse (5. Mose 28,1-14). Die geistlichen Segnungen sind weitaus umfassender: Bereits bevor Gott die Welt erschuf, galt uns sein Ja. Dabei hatte er uns schon als von Jesus Christus umgestaltete Menschen im Blick (4).
Unsere Erwählung drückt sich dadurch aus, dass wir als Gottes Kinder angenommen sind und damit untrennbar zu ihm gehören. Der Grund für Gottes Entschluss ist seine bedingungslose Liebe (4-5). Wir erwiedern sie durch das Ja des Glaubens udn durch ein Leben aus der Dankbarkeit gegenüber ihm (6). 
Paulus beschreibt Gottes Handeln an uns. Das Wort steht nicht für die Menschheit insgesamt, sondern für diejenigen, die Jesus Christus als Herrn anerkennen. Auch das griechische Grundwort für erwählt drückt aus, dass es sich bei der Auswahl nur um einen Teil des Ganzen handelt. 

Fragen zum Nachdenken

1. Der jüdische Lobpreis wurde vielleicht länger je mehr zur Redewendung (Lies 1.Mose 9,26; Rut, 4,14; Matthäus 21,9; Lukas 1,68). Paulus scheint sie aber ganz bewusst und ernst gemeint zu verwenden. Kennst du vergleichbare "zur Redewendung verkommene" gute Wünsche? Wie gehst du damit um und wie verwendest du sie selbst?

2. Mit welcher Absicht hat Gott uns erwählt (4)? Weitere Einzelheiten dazu findest du in Epheser 1,12; 5,27 und Kolosser 1,22. 

3. In welchem Verhältnis steht für dich Jesus zu Gott? - Jesus zu dir? - Du zu Gott?

Übertragung ins Leben

Die Botschaft dieses Briefes geht vor den Zeitpunkt zurück, der auf der ersten Seite der Bibel mit "Im Anfang" markiert wird (1. Mose 1,1). Damit sprengt sie bei weitem unser Vorstellungsvermögen. Wie konnte Gott uns kennen und erwählen, obwohl wir noch nicht lebten, geschweige denn die Erde und das Universum existiert haben? Beim Nachdenken darüber müssen wir einsehen, wie klein wir oft von Gott denken. Wie bemühen wir uns doch häufig, ihn mit unserem Verstand erfassen zu wollen. Dabei stossen wir uns an Fakten, die uns unlogisch vorkommen. Etiliches können wir nur erfassen, wenn uns dafür von Gottes Geist die inneren Augen geöffnet worden sind. Mir hilft es, wenn ich mich ehrlich der Begrenzung meines Verstehens stelle und zugebe: Ich begreife so vieles nicht. Aber das Vertrauen zu Gott kann diese Begrenzung ertragen. Es benötigt keine Vernunftgründe. 

powered by