Hauskreise

Wie Hauskreise uns tragen und fördern

Nach meinem Studium machte ich ein einjähriges Praktikum in der Gellertkirche in Basel, einer Kirchgemeinde, die schon damals 250 Gottesdienstbesucher hatte. Ich kannte hier niemanden ausser dem Pfarrer und zwei oder drei aktiven Gottesdienstbesuchern. In die ersten Gottesdienste kam ich bewusst recht knapp. Ich wollte nicht fünf Minuten allein in einer Kirchenbank sitzen, während sich alle anderen Gottesdienstbesucher kennen und angeregt miteinander reden. Gleichzeitig hoffte ich jedes Mal, dass sich irgend jemand in meine Nähe setzt, damit ich nicht so alleine bleibe. Dank einer sensiblen Gemeinde war das auch fast immer der Fall.

Oft ergeht es uns anders: Wir empfinden unser Umfeld als kalt und distanziert. Man ist höflich, man wechselt ein paar Worte und bleibt doch auf Distanz. Wie oft wünschen wir uns etwas mehr Wärme - mehr Nähe zu anderen Menschen, mehr echte Freundschaft in unserem Leben und in unserer Kirchgemeinde!

Meiner Meinung nach sind Hauskreise ein grossartiger Weg, um diese Wärme in einer Kirchgemeinde zu erleben. Sechs bis zwölf Personen treffen sich alle 14 Tage und verbringen den Abend miteinander. Drei Gründe sprechen für diese Art der Gemeinschaft:

  • Freundschaft erleben
    Vor ein paar Jahren erzählt ein Ehepaar an einem Hauskreisabend plötzlich von einem heftigen Streit. Ganz unplanmässig finden wir uns plötzlich in einem Gespräch über die gelungenen und weniger gelungenen Momente unserer Ehen. Wir schmunzeln über die Fassade, die wir voreinander aufbauen, sind erleichtert, dass auch andere sich streiten (von denen wir das nie gedacht hätten!) und gehen letztlich beschwingt und ermutigt nach Hause. Wegen solcher Erlebnisse ist es mir wichtig, dass man in Hauskreisen auch über persönliche Sachen spricht. Denn so entstehen die Freundschaften, die wir uns letztlich alle wünschen.
  • Die Bibel kennenlernen
    Vielen Menschen fällt es schwer, zu Hause und nur für sich in der Bibel zu lesen. Nicht, dass es sie nicht interessieren würde! Aber oft steht man ihr gerade am Anfang ein bisschen hilflos gegenüber. Ausserdem scheint der Alltag alle Zeit zu rauben. So bleibt die Bibel letztlich unberührt. Hier schafft der Hauskreis Abhilfe. Er bietet einen Rahmen, in dem man gemeinsam Abschnitte aus der Bibel liest, sie diskutiert und verstehen lernt.
  • Motivation tanken
    Auch mein Glaube braucht manchmal einen kleinen „Schupf“, damit er nicht im Alltag untergeht. Und den erhält er unter anderem im Hauskreis. Im einen Hauskreis spricht der Leiter ein Gebet, im anderen betet man gemeinsam. Wir singen Lieder und diskutieren über den Glauben. Es ist diese Gemeinschaft, die mich immer wieder motiviert, die Beziehung zu Gott zu pflegen. Sie hilft mir, Gott im Alltag nicht zu vergessen.

Finden Sie, ein Abend alle zwei Wochen ist ein zu hoher Preis für diesen Gewinn? Würde es sich nicht lohnen, sich diese Zeit einfach zu nehmen - auch wenn man denkt, dass man sie eigentlich nicht hat? Wenn Sie gerne einmal einen Hauskreis besuchen wollen, nehmen Sie doch bitte Kontakt mit mir auf (Tel. 043 500 62 82; ) oder melden Sie sich bei einem Hauskreis-Verantwortlichen. Wir freuen uns über jedes neue Gesicht!


Pfarrer Bernhard Botschen

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