Bibellese-Projekt, Mittwoch 13. September 2017

Bibeltext (Luther): Epheserbrief Kapitel 6,1-9

1 Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn; denn das ist recht. 2 »Ehre deinen Vater und deine Mutter«, das ist das erste Gebot, das eine Verheißung hat: 3 »auf dass dir's wohlgehe und du lange lebest auf Erden« (5. Mose 5,16). 4 Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Ermahnung des Herrn. 5 Ihr Sklaven, seid gehorsam euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens, wie ihr Christus gehorcht; 6 nicht mit Dienst allein vor Augen, um den Menschen zu gefallen, sondern als Sklaven Christi, die den Willen Gottes tun von Herzen. 7 Tut euren Dienst mit gutem Willen als dem Herrn und nicht den Menschen; 8 denn ihr wisst: Was ein jeder Gutes tut, das wird er vom Herrn empfangen, er sei Sklave oder Freier. 9 Und ihr Herren, tut ihnen gegenüber das Gleiche und lasst das Drohen; denn ihr wisst, dass euer und ihr Herr im Himmel ist, und bei ihm gilt kein Ansehen der Person. 

Erklärungen zum Text (Ralf Mühe, Bibellesebund)

Gehorsam gegenüber Gott wird im Verhältnis zu Menschen eingeübt, die im sozialen Gefüge über uns stehen. Das gilt für Kinder im Verhältnis zu ihren Eltern (1) und es gilt in der antiken Welt für Sklaven gegenüber ihren Herren (5). 
Die Eltern zu ehren bedeutet, ihre Autorität anzuerkennen, weil es so dem geoffenbarten Willen Gottes entspricht. Es in dem Herrn zu tun, kann jedoch auch vor die Entscheidung stellen, den Gehorsam ihm gegenüber den Vorrang zu geben, wenn Eltern Gottes Willen missachten (1-3). 
Ungezügelte Aggressionen und der Mangel an Einfühlungsvermögen zerstört Beziehungen. Hier sind Väter gegenüber ihren Kindern naturgemäss stärker gefährdet (4). 
Sklaven, die ihren Dienst letzten Endes für Jesus ausüben, machen sich unabhängig davon, ob er von den Herren gesehen und anerkannt wird (5-7). Ganz gleich, auf welcher sozialen Stufe jemand steht: Jeder bleibt für sich selbst vor Jesus verantwortlich (8). Wer sich dessen bewusst ist, wird weniger dazu verleitet, seine übergeordnete Stellung zu missbrauchen (9). 

Fragen zum Nachdenken

1. Warum bleibt das Gebot, die Eltern zu ehren, unabhängig davon, ob sie sich als würdig erweisen (1)?

2. Wodurch erhält der Gehorsam und die Zuverlässigkeit der Sklaven ihre duchtragende Motivation (5-7)? Lies dazu auch 1.Petrus 2,18.

3. Wie lässt sich die Grundhaltung beschreiben, die das Verhalten der Herren gegenüber den Sklaven bestimmen soll (9)?

Übertragung ins Leben

Paulus löst weder familiäre Grundordnungen auf noch greift er die sozialen Gegebenheiten seiner Zeit an. Durch die Sünde geschwächte Ordnungen sind immer noch besser als Anarchie. Der Apostel setzt auf eine Veränderung von innen: Wo Eltern und Kinder, Herren und Sklaven, Vorgesetzte und Angestellte in der Verantwortung vor dem Herrn leben, kann das Miteinander gedeihen. 
Wir treffen in unserer Gesellschaft oder am Arbeitsplatz jegliche Art von Ungerechtigkeiten an. Da sind Betrug, Lüge und eine unbarmherzige Hackstruktur oft Teil eines Systems, das dazu beiträgt, dass Menschen ausbrennen. Dagegen aufzustehen erfordert Mut und kann alles kosten. Selbst ehrlich und zuverlässig zu sein, erweist sich als starke Waffe im Kampf gegen ungerechte Verhältnisse, denn damit brechen wir den Kreislauf des Vergeltens auf. Selbst wenn wir zunächst verlieren, haben wir damit Zeichen der Herrschaft Gottes gesetzt. 

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