Bibellese-Projekt, Donnerstag, 7. September 2017

Bibeltext (Luther): Epheserbrief Kapitel 4,17-32

17 So sage ich nun und bezeuge in dem Herrn, dass ihr nicht mehr leben dürft, wie die Heiden leben in der Nichtigkeit ihres Sinnes. 18 Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, und durch die Verstockung ihres Herzens. 19 Sie sind abgestumpft und haben sich der Ausschweifung ergeben, um allerlei unreine Dinge zu treiben in Habgier. 20 Ihr aber habt Christus nicht so kennengelernt; 21 ihr habt doch von ihm gehört und seid in ihm unterwiesen, wie es Wahrheit in Jesus ist: 22 Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. 23 Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn 24 und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. 25 Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. 26 Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen 27 und gebt nicht Raum dem Teufel. 28 Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. 29 Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören. 30 Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. 31 Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. 32 Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus. 

Erklärungen zum Text (Ralf Mühe, Bibellesebund)

Paulus ruft dazu auf, die bis zur Umkehr gültige Lebensweise ganz hinter sich zu lassen. Sie war davon gekennzeichnet, dass sie sich in Dingen verlor, die keinen Bestand haben (17). Sie blieb gegenüber Gott distanziert und voller Vorurteile (18). Das Gewissen orientierte sich an subjektiven Wahrheiten. Grenzen des Anstands wurden ganz selbstverständlich überschritten. Und das ganze Streben zielte vor allem darauf hin, mehr haben zu wollen (19). Der Glauben an Jesus erneuert unser gesamtes Leben. Er ersetzt, was wir bereit sind, loszulassen und abzulegen. Wie jemand, der alte Kleidung durch neue austauscht. Das Leben wird also nicht ärmer, sondern erhält eine neue, göttliche Qualität – bis hinein in Gott gemässe Denk- und Verhaltensmuster (20-24). Wenn wir jedoch an den bisherigen schlechten Lebensgewohnheiten festhalten, lassen wir dem Teufel Raum (27). Damit blockieren wir das Wirken von Gottes Geist bei uns selbst und in der Gemeinde (30). 
Ablegen und anziehen heisst, schlechte Verhaltensweisen nicht einfach nur aufzugeben, sondern durch gute zu ersetzen. Dem Diebstahl stellt Paulus die Erwerbstätigkeit gegenüber sowie die Befähigung geben zu können (28), dem Geschwätz die heilsamen Worte (29), der emotionalen Überreaktion die von Gottes Geist beherrschte innere Haltung (31-32). 

Fragen zum Nachdenken

1. Womit verleiht der Apostel Paulus seiner Aufforderung Nachdruck, sich klar von der Lebensweise des heidnischen Umfeldes abzugrenzen (17)? Beachte eine ähnliche Formulierung in 1.Korinther 7,10.

2. Was gehört dazu, damit wir Christus tatsächlich kennenlernen (20-21)?

3. Welche Merkmale enthält das Neue, das Gott uns darreicht (24)?

4. Wodurch wird klar, dass wir den Heiligen Geist zwar betrüben, aber durch unsere Unzulänglichkeiten nicht verlieren können (30)?

Übertragung ins Leben

Unwahrhaftigkeit, geistiger Diebstahl, loses und hinterhältiges Reden übereinander, Unversöhnlichkeit, Machtstreben und Ungereimtheiten jeder Art gehören zum Alltag vieler Gemeinden. Der Apostel beschreibt hier kein theoretisches Problem, sondern greift mitten hinein in unsere eigene Wirklichkeit. Dabei sind es nicht nur "die anderen", sondern auch wir selbst, die damit das Zeugnis von Jesus in dieser Welt einschränken. Erneuerung kann und muss bei uns persönlich geschehen. Es bietet sich an, die Zeilen des Apostels in diesem Kapitel mit der Bitte zu lesen, dass Gott uns aufdeckt, was in seinen Augen nicht richtig ist. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass das zunächst schmerzhafte Konsequenzen nach sich ziehen kann. Am Ende steht jedoch, dass Gottes Geist in uns Raum gewinnt und ungehindert wirken kann.

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