Bibellese-Projekt, Montag, 4. September 2017

Bibeltext (Luther): Epheserbrief Kapitel 3,8-13

8 Mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist die Gnade gegeben worden, den Heiden zu verkündigen den unausforschlichen Reichtum Christi 9 und für alle ans Licht zu bringen, wie Gott sein Geheimnis ins Werk setzt, das von Ewigkeit her verborgen war in ihm, der alles geschaffen hat, 10 damit jetzt kundwerde die mannigfaltige Weisheit Gottes den Mächten und Gewalten im Himmel durch die Gemeinde. 11 Diesen ewigen Vorsatz hat Gott ausgeführt in Christus Jesus, unserm Herrn, 12 durch den wir Freimut und Zugang haben in aller Zuversicht durch den Glauben an ihn. 13 Darum bitte ich, nicht zu verzagen wegen meiner Bedrängnisse, die ich für euch erleide, die für euch eine Ehre sind. 

Erklärungen zum Text (Ralf Mühe, Bibellesebund)

"Der Geringste" stellt bereits die höchste Vergleichsstufe dar. Paulus überbietet sie im Hinblick auf seine Person durch eine im Alltag übliche Überhöhung. Wenn er sich als den allergeringsten unter allen Heiligen (8) bezeichnet, so benutzt er im griechischen Grundtext einen sogenannten vulgären Komparativ. Seine Selbsteinschätzung ist sicher seiner Vergangeneheit als Verfolger der Christen geschuldet. Umso markanter tritt der Erweis von Gnade hervor, dass Gott gerade ihn mit der guten Nachricht betraut hat. Der Apostel fügt an dieser Stelle einen neuen Aspekt hinzu: Gottes Handeln durch den Messias (griech. Christus) Jesus an der Gemeinde stellt eine Demonstration seiner Weisheit vor den himmlischen Mächten dar. Gott hat seine Absichten nicht nur vor den Menschen, sondern auch vor jenen verborgen gehalten (9-10). Noch einmal betont Paulus die zentrale Stellung von Jesus bei deisem Geschehen (11). Mit ihm hat Gott seine Absichten zu unserer Rettung in die Tat umgesetzt. Durch die vertrauensvolle Beziehung zu Jesus gelten wir vor Gericht als Heilige (8). Als solche haben wir Zutritt zu Gottes Thron (12). Angesichts dieser von Gott geschenkten Vorrechte scheinen die irdischen Verhältnisse des Apostels in einem starken Widerspruch zu stehen. Paulus verschweigt sie nicht, sondern ordnet sie ein: Seine Schwierigkeiten sind der Preis, den er zu bezahlen bereit ist, um die Gute Nachricht aller Welt zu bringen (13).

Fragen zum Nachdenken

1. Welchen Zielgruppen weiss Paulus sich als Botschafter der Guten Nachricht verpflichtet (8-9)?

2. Bis zu welchem Zeitpunkt und mit welcher Absicht hat Gott seine Pläne zu Wiederherstellung der Gemeinschaft der Menschen mit ihm verborgen gehalten (10)?

3. Was besagen die drei Begriffe, die im Zusammenhang mit dem Glauben zu den neu gewonnenen Vorrechten gehören (12)?

Übertragung ins Leben

Meine Gastgeber statteten mich mit Hausschlüsseln und einer Fernbedienung aus. Mit ihr konnte ich mir vom Wagen aus Zugang zum Grundstück verschaffen. Auf Knopfdruck öffneten sich die Stahltore. Oder sie schlossen sich wieder. Sogar die Hunde jenes Ehepaares lernten, mich zu akzeptieren. Ich genoss es, dass man mir ein derartiges Vertrauen entgegenbrachte. Es zeichnete mich vor der Postbotin, dem Kundendienst und den Nachbarn aus. Sie mussten klingeln. Und es konnte ihnen passieren, dass nicht geöffnet wurde. Um wieviel überragender ist es, dass wir uns durch Jesus dem lebendigen Gott nahen dürfen!

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